Bertha-Benz-Tour 2026
Bertha hatte offenbar gutes Timing. Als sie vom 5. bis 7. August 1888 mit ihren Söhnen Eugen und Richard von Mannheim nach Pforzheim und zurück fuhr, spielte auch das Wetter mit. 138 Jahre später hatten wir Electrified Women ebenfalls ziemlich gutes Timing: Bei unserer 6. Bertha Benz Tour am 28. und 29. August 2026 lachte die Sonne mit uns um die Wette.
Am Freitagnachmittag trudelten nach und nach immer mehr elektrische Autos auf dem Hotelparkplatz in Ladenburg ein. Und wie immer dauerte es nicht lange, bis aus „Hallo, schön dich wiederzusehen!“ und „Dich kenne ich noch gar nicht!“ ein lebhaftes Geplauder wurde. Genau das macht unsere Tour so besonders: 15 Frauen aus nah und fern, unterschiedliche Autos, unterschiedliche Geschichten – aber eine gemeinsame Begeisterung für Frauen, die einfach losfahren, wenn andere noch erklären, warum es nicht geht.
Auf den Spuren einer Pionierin
Am Samstagvormittag starteten wir am Friedhof in Ladenburg. Unser erster Halt galt Bertha und Carl Benz – am Grab des Ehepaars, dessen Ideen und Beharrlichkeit die Mobilität revolutionierten. Mit einem Blumengesteck sagten wir Danke an zwei Menschen, ohne deren Mut unsere heutige Automobilwelt wohl anders aussehen würde.
Anschließend übernahm Edgar Mayer, der vor 18 Jahren die Bertha Benz Memorial Route mit ins Leben gerufen hat und sie seither mit großem Engagement pflegt und weltweit bekannt macht. Er führte uns durch Ladenburg und nahm uns mit auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte der Familie Benz.
Dabei durfte natürlich die Carl-Benz-Garage nicht fehlen – die älteste geplante Autogarage der Welt. Direkt neben dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Benz erinnert sie daran, dass das Auto hier nicht nur erfunden, sondern auch gelebt wurde. Unser Verein hatte bereits im vorvergangenen Jahr ein Schild für die Streckenführung der Bertha Benz Memorial Route gespendet – nun konnten wir es vor Ort offiziell einweihen.
Nach einem Spaziergang durch die zauberhaften Gassen Ladenburgs und einem Blick auf das ehemalige Stammlokal „Zum Ochsen“ war dann endgültig klar: Genug Geschichte – jetzt wird gefahren!
WEGWEISEND
Unser diesjähriges Motto war Programm: „Wegweisend“.
Und weil Wegweisung manchmal auch bedeutet, neue Wege einzuschlagen, verließen wir in diesem Jahr erstmals die eigentliche Bertha Benz Memorial Route. Nicht, weil wir Bertha nicht ernst nehmen – sondern ganz im Gegenteil: Wir wollten uns die Region anschauen, in der ihre Geschichte weitergeschrieben wurde.
Also: kleine Straßen statt Schnellstraße, Kurven statt Kilometerfressen, Wiesen und Felder statt Autobahn. Unser erster Wegpunkt führte uns zu einem Café direkt am Neckar. Bei herrlicher Aussicht auf Burgen und Berge ließen wir es uns gut gehen und taten, was wir besonders gut können: über Elektromobilität reden.
Denn Ladeleistung, Reichweite, neue Modelle, Erfahrungen unterwegs und die Frage „Und, wie fährt sich deiner?“ sind bei uns schnell Gesprächsthemen für eine ganze Kaffeepause. Oder zwei.
Danach ging es weiter durch malerische Orte und über kurvige Straßen Richtung Heidelberger Stadtwald. Unser nächster Stopp: Posseltslust am Drei-Eichen-Weg.
Das kleine Lusthaus aus dem Jahr 1881 mit seinem Aussichtsturm liegt gegenüber der Kohlhofwiese und bot uns genau das, was wir uns erhofft hatten: einen wunderbaren Blick über die Region – und einen Moment zum Durchatmen.
Bertha wäre vermutlich weitergefahren. Wir haben den Ausblick dann doch lieber ein bisschen genossen.
VON DER PFERDEKUTSCHE ZUM ELEKTROAUTO
Von Posseltslust führte unser Weg weiter zu unserem letzten Ziel: Schwetzingen.
Die ECOmobil-Gala auf dem Schwetzinger Schlossplatz war der perfekte Endpunkt unserer Tour. Denn wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen Bertha Benz und uns gibt, dann diese: Wir interessieren uns nicht besonders dafür, was angeblich nicht geht.
Bertha setzte sich 1888 in einen Motorwagen, den sie kurzerhand selbst zur Fernreise tauglich machte. Sie organisierte unterwegs ihren Treibstoff, beseitigte technische Probleme und bewies mit ihrer Fahrt, dass aus einer Erfindung ein alltagstaugliches Verkehrsmittel werden konnte.
Wir machen es heute ein bisschen anders – aber die Idee ist dieselbe.
Wir fahren elektrisch.
Und ja: Die Reichweite reicht. Die Ladeinfrastruktur wächst. Die Technik entwickelt sich weiter. Und wer heute noch behauptet, Elektromobilität funktioniere nur unter Laborbedingungen, darf uns gerne ein Stück begleiten.
Bertha hat damals den Wechsel von der Kutsche zum Automobil gewagt.
Wir fahren heute den nächsten Schritt.
SONNENUNTERGANG INKLUSIVE
Zum Abschluss schenkte uns der Tag noch einen dieser Sonnenuntergänge, bei denen man sich denkt: So darf eine Tour gerne enden.
Beim gemeinsamen Abendessen direkt am Neckar wurde erzählt, gelacht und natürlich auch schon wieder über die nächste Tour nachgedacht. Denn eine Bertha-Benz-Tour ist offenbar erst dann wirklich vorbei, wenn die ersten Ideen für die nächste geboren sind.
Und so freuen wir uns schon jetzt auf 2027.
Auf neue Gesichter und alte Bekannte. Auf neue Wege und bekannte Geschichten. Auf spannende Gespräche, kurvige Straßen und natürlich auf jede Menge elektrische Kilometer.
Denn genau darum geht es bei den Electrified Women: Wir fahren nicht einfach nur elektrisch. Wir fahren voraus.
Bertha hat vorgemacht, was passiert, wenn eine Frau den Mut hat, einfach loszufahren.
Wir bleiben dran.
Es braucht nur den Mut einer einzelnen Frau, um Großes anzustoßen – und eine Veränderung in Gang zu setzen, die uns unaufhaltsam weiter voranbringt.
Text: Eva Maria Sanders